Der Gesetzgeber sieht vor, dass eine Bank oder Sparkasse einen Verbraucher bei einem Darlehensvertrag zutreffend über sein Widerrufsrecht belehren muss. Fehlt die Widerrufsbelehrung oder ist sie fehlerhaft, begann nach dem § 355 Abs. 3 BGB a.F. bzw. dem jetzt noch geltenden § 356 b Abs. 1 BGB die Frist für den Widerruf nicht zu laufen, so dass der Verbraucher grundsätzlich auch noch Jahre später seine Vertragserklärung widerrufen kann.

In der Rechtsprechung besteht bislang noch Uneinigkeit darüber, ob eine Verwirkung des Widerrufsrechts eingetreten sein könnte, der Bundesgerichtshof hat diese Frage noch nicht entschieden. Allerdings hat sich ein Richter des zuständigen XI. Senats des Bundesgerichtshofs, Herr Dr. Grüneberg, in der jüngsten Ausgabe des BGB Kommentars Palandt zu der Frage der Verwirkung des Widerrufsrechts geäußert. Danach scheidet eine Verwirkung in der Regel aus, weil die Kreditinstitute die Möglichkeit der Nachbelehrung zur Fehlerkorrektur hatten.

Folge eines wirksamen Widerrufs ist, dass sich das Darlehensverhältnis in ein Rückabwicklungsverhältnis wandelt. Danach schuldet der Verbraucher der Bank bzw. Sparkasse die Darlehensvaluta, ferner schuldet er der Bank deren Anspruch auf Nutzungsentschädigung für den hingegebenen Darlehensbetrag.

Der Verbraucher hingegen soll die geleisteten Zins- und Tilgungsleistungen zurückerhalten, wobei er eine vermutete Verzinsung in Höhe von 5 % über dem Basiszinssatz für die geleisteten Tilgungsraten erhalten soll.

Die Nutzungsentschädigung der Bank deckt sich meist mit den bereits gezahlten Zinsen, sofern diese marktüblich gewesen sind, so dass es sich meist empfiehlt, die wechselseitigen Ansprüche gegeneinander aufzurechnen.

Das wesentlich Positive bei einem wirksamen Widerruf ist aber vor allen Dingen, dass das Darlehen vorzeitig abgelöst/umgeschuldet werden kann und die Bank keine Vorfälligkeitsentschädigung berechnen darf.

Das vermeintlich „ewige Widerrufsrecht“ bei Immobiliendarlehen entfällt allerdings zum 21.06.2016. Grund hierfür ist, dass mit dem im Juli 2015 verabschiedeten Regierungsentwurf zur Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie bereits Regelungen vorgeschlagen worden sind, die für neu abgeschlossene Immobiliar-Verbraucherverträge das Entstehen sog. „ewiger Widerrufsrechte“ verhindern sollen. Das Bundeskabinett hat ferner am 27.01.2016 beschlossen, dass das zeitlich unbegrenzte Widerrufsrecht für die zwischen 2002 und 2010 abgeschlossene Immobiliendarlehen rückwirkend entfallen soll. Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes haben die Kunden noch drei Monate Zeit, Altverträge zu widerrufen.

Vom 21.06.2016 an sind Altverträge nicht mehr widerruflich, so dass betroffene Kunden jetzt noch handeln sollten, indem sie ihre Verträge nebst Widerrufsbelehrungen prüfen lassen und gegebenenfalls bis zum Juni 2016 ihre Widerrufsrechte noch rechtzeitig ausüben.

 

 

 

Nachdem die NL Nord Lease AG ihre Anleger in den letzten Monaten zu meist unberechtigten Zahlungen aufgefordert hat, diese Aufforderungsschreiben dann erneut per Gerichtsvollzieher hat zustellen lassen, schlägt sie nun abermals zu und hat beim Amtsgericht Hamburg Mahnscheide gegen einzelne Anleger beantragt.

Betroffene Anleger sollten unbedingt handeln und nicht riskieren, dass der Mahnbescheid aufgrund von Untätigkeit rechtskräftig wird.

Was bislang geschah:

An der Gesellschaft NL Nord Lease AG konnten sich Anleger als atypisch stille Gesellschafter in verschiedenen Beteiligungsvarianten mit einer Laufzeit von mindestens 10 Jahren beteiligen.

- Beendete / gekündigte Beteiligungen

Nach der Kündigung der Beteiligung ist die Gesellschaft verpflichtet, einen Auseinandersetzungswert der Beteiligung zu ermitteln. Ergibt sich ein Guthaben, ist die Gesellschaft verpflichtet, dieses Guthaben zum 31.12. des Folgejahres der Kündigung auszuzahlen. Hat also ein Anleger zum 31.12.2012 gekündigt, muss ihm die Gesellschaft das Auseinandersetzungsguthaben zum 31.12.2013 auszahlen.

Bereits hier gab es in den vergangenen Jahren erhebliche Schwierigkeiten: So warten einige Anleger, die ihre Beteiligung bereits vor Jahren gekündigt haben, teilweise immer noch auf die Mitteilung ihres Auseinandersetzungswertes und die Auszahlung ihres Auseinandersetzungsguthabens. Sofern ein Anleger schließlich doch den Auseinandersetzungswert erfahren hat, vertrat die Gesellschaft die Auffassung, nicht zahlen zu müssen und berief sich auf einen im Gesellschaftsvertrag geregelten „Liquidationsvorbehalt“, der sie angeblich dazu berechtige, fällige Abfindungsansprüche nicht auszuzahlen.

Tatsächlich ist dieser angebliche „Liquidationsvorbehalt“ aus diesseitiger Sicht bereits wegen eines Verstoßes gegen das Transparentgebot unwirksam – die Richter des Landgerichts Hamburg teilen diese Auffassung. Die Weigerung der Gesellschaft, das Abfindungsguthaben auszuzahlen, ist aber auch aus anderen Gründen nicht berechtigt, dies hat die Gesellschaft in den von uns vertretenen Fällen nunmehr auch eingesehen und zahlt.

- - Laufende Beteiligungen, Zahlungsaufforderungen

Mit Schreiben vom 18. Mai 2015 hat die Gesellschaft sämtliche Anleger, die ihre Beteiligung noch nicht gekündigt haben, angeschrieben und zur Rückzahlung von Ausschüttungen aufgefordert.

Aus diesseitiger Sicht waren diese geltend gemachten Zahlungsansprüche bereits nicht fällig, da Zahlungsansprüche der Gesellschaft – wenn überhaupt – erst dann geltend gemacht werden können, wenn die Beteiligung beendet und der Auseinandersetzungswert ermittelt worden ist.

Darüber hinaus war aber auch die Höhe der geltend gemachten Forderung meist nicht plausibel: wenn überhaupt eine Rückzahlungspflicht dem Grunde nach bestehen sollte, müssten die einzelnen Kontostände der Beteiligung saldiert werden. Selbst wenn bei der „Classic“ Beteiligung ein Saldo ausgewiesen ist, müsste dieser negative Wert mit den positiven Werten der „Classic Plus“ und/oder „Sprint“ Beteiligung verrechnet werden.

Im September 2015 ließ die Gesellschaft dann ihre Schreiben mit ihren angeblichen Forderungen per Gerichtsvollzieher zustellen und kündigte dabei auch gleich die Beteiligung zum 31.12.2016.

Viele Anleger waren verunsichert und dachten, dass es sich nun um eine titulierte Forderung handele und sie zahlen müssten, um etwaigen Pfändungen zu entgehen. Die Zustellung eines Schreibens per Gerichtsvollzieher ist allerdings nur ein besonderer Weg, ein Schreiben zu versenden. Nur wenn ein rechtskräftiger Titel vorliegt und zugestellt wird, kann der Gläubiger einer Forderung diese auch vollstrecken – davon ist die Gesellschaft allerdings noch weit entfernt.

Die von der Gesellschaft ausgesprochene Kündigung der Beteiligung zum 31.12.2016 ist im Übrigen bereits deshalb unwirksam, weil kein Kündigungsgrund vorliegt - dies behauptet die Gesellschaft nicht einmal.

Nunmehr kommt allerdings der nächste Schlag: Anleger von gekündigten Beteiligungen erhalten Mahnbescheide zugestellt, mit denen die Gesellschaft ihre angeblichen Forderungen aus gekündigten Beteiligungen geltend macht.

Anleger, die einen Mahnbescheid erhalten haben, sollten unbedingt handeln!

Das Gericht hat den von der Gesellschaft geltend gemachten Anspruch nicht geprüft. Es können also auch unberechtigte Forderungen in einem Mahnbescheid geltend gemacht werden. Wichtig ist, dass der betroffene Anleger binnen einer Frist von zwei Wochen nach Zustellung des Mahnbescheides einen Widerspruch gegen den Mahnbescheid einlegt. Wird die Frist versäumt, kann die Gesellschaft einen Vollstreckungsbescheid beantragen. Gegen diesen kann man wiederum einen Einspruch binnen einer Frist von zwei Wochen nach Zustellung einlegen.

Werden die Fristen versäumt, besteht die Gefahr, dass eine auch unberechtigte Forderung rechtskräftig wird!

Auf jeden Fall sollten sich betroffene Anleger nun anwaltliche Hilfe suchen.

So bestehen bei Anlegern, die auch eine so genannte „Classic Plus“ und/oder „Sprint“ Beteiligung abgeschlossen haben, durchaus gute Chancen, sich erfolgreich gegen die angeblichen Forderungen zu wehren.

 

 

 

 

Mit Kurseinbrüchen von mehr als 40 Prozent zählen die Aktionäre der Volkswagen AG zu den ersten Geschädigten der von dem Konzern inzwischen eingeräumten Abgasmanipulationen. Es stellt sich die Frage, ob die Aktionäre deswegen Schadensersatzansprüche geltend machen können.

Nach unserer ersten Einschätzung ist das im Grundsatz für diejenigen Aktionäre der Fall, die aufgrund der unterbliebenen "Ad-hoc-Mitteilung" Aktien erworben haben, da Volkswagen den Kapitalmarkt im Wege einer sog. "Ad-hoc-Mitteilung" unverzüglich in Kenntnis hätte setzen müssen. "Alt"-Aktionäre hingegen sollten noch auf Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft warten, bevor etwaige Schadensersatzansprüche gegebenenfalls geltend gemacht werden. Im Einzelnen:

Gemäß § 37b WpHG besteht ein Ersatzanspruch im Falle einer vorsätzlich oder grob fahrlässig unzureichenden oder verspäteten Ad-hoc-Publizität. Rechtliche Grundlage einer sogenannte "Ad-hoc-Mitteilung" ist die Vorschrift des § 15 des Wertpapierhandelsgesetzes (kurz: WpHG). Danach ist ein Inlandsemittent von Wertpapieren zu unverzüglicher Veröffentlichung von Informationen verpflichtet, die das Potenzial haben, den Kurs des Wertpapiers erheblich zu beeinflussen. Sämtliche Kapitalanleger – und nicht nur sog. Insider – sollen das Risiko einer Anlage auf möglichst aktueller Grundlage bewerten und jeweils eine informierte Kauf- oder Verkaufsentscheidung treffen können.

Die Eignung, den Aktienkurs erheblich zu beeinflussen, wird man der Tatsache der Abgas-Manipulation wohl kaum ernsthaft in Frage stellen können. Es spricht auch einiges dafür, dass Volkswagen den Kapitalmarkt zu spät informiert hat. Dies werden allerdings die Gerichte zu entscheiden haben. Jedenfalls erfolgte die erste Ad-hoc-Mitteilung erst fünf Tage nach Mitteilung der US-Umweltbehörde EPA vom 18.09.2015, die den Abgasskandal und den Kurseinbruch der VW-Aktie letztlich ins Rollen brachte.

Der Konzern hatte die Vorwürfe im Wesentlichen eingestanden und am folgenden Montag einen Verkaufsstopp von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA verhängt. Es mag zwar Gründe für Zeitpunkt und Inhalt der konkreten Ad-hoc-Mitteilung geben, aber am Kapitalmarkt sind fünf Tage ein sehr langer Zeitraum. Im Fall von Volkswagen ging damit ein Verlust der Marktkapitalisierung im zweistelligen Milliardenbereich einher.

Schadensersatzklagen von VW-Aktionären dürften daher im Grundsatz erfolgversprechend sein, aber bislang gilt es zwischen den Aktionären zu differenzieren: Erfolgsversprechend dürften die Ansprüche von Aktionären sein, die ihre Aktien an dem Tag oder später gekauft haben, an dem die "ad hoc-Mitteilung" eigentlich hätte veröffentlich werden müssen.

Wer die Aktien schon vorher im Depot hatte, hätte den Kursverlust voraussichtlich auch bei einer rechtzeitiger "Ad hoc-Mitteilung" erlitten.

Sollten sich allerdings Hinweise auf eine frühere Kenntnis von den Abgasmanipulationen auf Vorstandsebene erhärten, so könnte sich der Kreis der Anspruchsinhaber noch ganz erheblich ausweiten.

zur Verjährung:

Zu beachten ist, dass bestehende Ansprüche binnen eines Jahres seit der Kenntnis von der unterlassenen rechtzeitigen Ad-hoc-Mitteilung, spätestens aber binnen 3 Jahren verjähren (§ 37 b Abs. 4 WpHG).

zur Erstberatung:

VW-Aktionären wird empfohlen, sich für eine individuelle Erstberatung an einen Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht zu wenden. Gerne stehen wir Ihnen hierfür zur Verfügung.

 

Akuelle Mitteilung vom 08.10.2015

Inzwischen wird in der Presse berichtet, dass die VW-Konzernleitung bereits am 03.09.2015 die Manipulationen von Diesel-Abgaswerten gegenüber den US- Behörden eingeräumt hat.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung meldete am 08.10.2015, der Chef von Volkswagen-Nordamerika, Michael Horn, werde am selben Tag gegenüber dem US-Kongress einräumen, bereits im Frühjahr 2014 über die Abgas-Manipulationen informiert worden zu sein.

Damit dürfte sich der Kreis schadensersatzberechtigter Aktionäre‎ nochmals ganz erheblich erweitert haben. Erst am 22.09.2015 informierte der Konzern den Kapitalmarkt per Ad-hoc-Meldung über den Fall einschließlich der Zahl von rund 11 Millionen betroffenen Fahrzeugen sowie über die ergebniswirksame (erste) Rückstellung in Höhe von vorerst 6,5 Milliarden Euro. "

 

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